Konstruktivismus und Produktmanagement

Was ist Konstruktivismus eigentlich und warum ist er als Grundhaltung für Produktmanager und Produktmanagerinnen gut geeignet?

Der Konstruktivismus ist eine Strömung der Erkenntnistheorie. Begründet wurde der radikale Konstruktivismus von den Philosophen Ernst von Glasersfeld und Heinz von Foerster. Er besagt, dass es keine Realität als solches gibt, sondern, dass jeder Mensch seine eigene Realität durch sein Erleben der Welt konstruiert.

Konstruktivismus - Alles ist Ansichtssache

Natürlich hat jeder Mensch seine eigenen Voraussetzungen, Vorerfahrungen, Ansichten. Somit sieht jeder Mensch die Welt durch seinen individuellen Filter. Damit ist auch erklärbar, warum dieselben Dinge von zwei Menschen ganz unterschiedlich interpretiert werden können (siehe Abbildung). Eine Person interpretiert viele Menschen und laute Musik auf einem Festival als eine spaßige Angelegenheit und eine andere Person als störend. Auch dieselbe Person kann zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich reagieren, beispielsweise wenn sie Kopfschmerzen hat oder nach dem ersten Tag des Festivals müde ist. Jede Wahrnehmung ist also absolut Subjektiv und Objektivität ist unmöglich.

Viabilität im Konstruktivismus

Von Glasersfeld prägte den Begriff der „Viabilität“ (von viabel, was wir aus dem MVP (Minimum Viable Product) kennen). Damit ist eine „ausreichende Passung“ gemeint. Wenn Hypothesen durch Messungen bestätigt werden oder eine bestimmte Handlungsweise erfolgreich ist, bedeutet es, wir haben uns ausreichen gut angenähert und nicht, dass wir es geschafft haben, die Realität abzubilden.

Übung: Team-Reflexion über Viabilität

In dieser Übung kann das Team reflektieren, welche Features, die gemeinsam entwickelt wurden viable waren und welche weniger. Wozu? Die Strategien, welche zum Ergebnis beigetragen haben können identifiziert und so wieder ins Gedächtnis gerufen werden im Sinne von: „Das sollten wir als best Practice im Team beibehalten“ und „Das sollten wir nicht mehr tun“ und „Das sollten wir ausprobieren“. In der folgenden Abbildung siehst du das Format als Miro Template „Product Viability Improvement“. 

Arbeitsvorbereitung: Erstelle eine Linie der Viabilität von 0% (hat überhaupt nicht gepasst) bis 100% (hat perfekt gepasst).

  1. Gemeinsam entwickelte Features auflisten – auch die, an die wir nicht gern denken!
  2. Gemeinsam auf der Linie platzieren und dabei auch die unterschiedlichen Sichtweisen besprechen
  3. Besprechen, wie das Gesamtbild auf uns wirkt, wie geht es uns damit?
  4. Von 0% bis 100% durchgehen und jeweils:
    1. Ressourcen benennen, die wir mitnehmen in die weitere Arbeit
    2. Fehler benennen, die wir als Team nicht mehr machen möchten
    3. Ideen benennen, was wir hätten besser machen können und ausprobieren wollen
  5. Gemeinsam eine Liste von Best Practices anfertigen und sichtbar präsentieren

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