Gut zu wissen im Produktmanagement: Bevorzugte Sinneskanäle von Kundinnen und Kunden

Was sind bevorzugte Sinneskanäle und was bringt es mir als Produktmanagerin oder Produktmanager, darüber bescheid zu wissen, ob meine Kundin mehr Wert auf visuelle Gestaltung oder eine stimmige Story legt?

Der Konstruktivismus lehrt uns, dass jede Person ihre eigene Realität hat. Langsam
wird klar, warum es manchmal so schwer ist, jemanden zu „verstehen“.
Tatsächlich kann man sagen, Verstehen ist die Ausnahme, Missverständnisse sind
die Regel. Es wird klar, warum wir mit voreiligen Hypothesen vorsichtig sein
sollten und uns wirklich aus die Weltsicht des Kunden oder der Kundin einlassen
sollten.

Unterschiedliche Repräsentationssysteme - VAKOG

Die schlechte Nachricht ist, das Ganze wird noch schwieriger, denn Menschen bevorzugen unterschiedliche Repräsentationssysteme. Einige legen Fokus auf das, was sie sehen, andere auf das, was gesagt wird. Haben Sie schon einmal gedacht, sie Verstehen eine andere Person einfach nicht? Vielleicht bevorzugen Sie einfach ein anderes Repräsentationssystem. Es hilft ungemein, bei Interviews zu erkennen, welches Repräsentationssystem für eine Kundin/einen Kunden wichtig ist und auf welchem Feld Ihr Produkt Fokus legt. Wenn Sie eine App mit Fokus auf einfache visuelle Elemente legt, könnte eine auditiv veranlagte Person den Text vermissen. Das bedeutet nicht, Sie müssen nun alles umbauen, um es den Auditiven recht zu machen, denn sie sind eher in der Unterzahl. Das bedeutet trotzdem, es hilft, dies zu wissen und es in die Interpretation des Interviews mit einzubeziehen.

Hinweise durch die verwendete Sprache einer Person

Wie können Sie merken, dass jemand visuell oder Auditiv ist? Es gibt mehrere mögliche Hinweise. Die Wörter, die verwendet werden, geben Hinweise auf das bevorzugte Repräsentationssystem.

Beispiele:

„Ich höre, was Sie sagen, aber ich kann mir keinen Reim darauf machen.“

„Ich kann das nicht greifen, es zerrinnt mir zwischen den Fingern.“

„Ich sehe den Punkt, aber ich blicke es noch nicht.“

Wenn jemand hauptsächlich Wörter mit dem Thema „sehen“ verwendet, dann ist das ein Hinweis darauf, dass diese Person den Fokus auf das visuelle Erleben setzt.

Hinweise über die Augenbewegungen

Wenn jemand beim Sprechen und nachdenken hauptsächlich nach oben schaut, kann das ein Hinweis darauf sein, dass sich viel im visuell erinnernden und visuell konstruierenden Bereich abspielt. Wenn die Augen eher nach links und rechts (auf Höhe der Ohren) sind, arbeite die auditive Erinnerung und Konstruktion.

Übung: Bevorzugte Kanäle identifizieren

Die drei Hauptkanäle sind VAK: visuell, auditiv und kinästhetisch. Meist bevorzugen Menschen ohne es selbst zu wissen, einen dieser Kanäle und haben den Eindruck, so sei es eben „normal“ und alle anderen erleben die Welt genauso. Hast du dir schon einmal sehr viel Mühe bei einer Präsentation für jemanden gegeben mit vielen schönen Visualisierungen und dann wollte diese Person einfach nur mit Ihnen über das Thema sprechen und hören, was sie dazu sagen? Dann bist du vielleicht als visueller Typ an einen auditiven Typen geraten. Es kann also helfen zu wissen, mit welchen Typen wir es zu tun haben und zu welchem Typ wir selbst gehören.

Spielt in Dreier Gruppen ein Kundinnen-Interview zur Bedarfs-Ermittlung nach. Eine Person interviewed, eine wird interviewed und eine Person beobachtet. Bei dem Interview sollten natürlich offene Fragen gestellt werden, so dass die Kundin ins sprechen kommt. Das Interview kann etwa 15 Minuten dauern. Nehmt euch danach einige Minuten Zeit, um zu analysieren, welche Typen hier miteinander gesprochen haben.

Übung: Augenzugangshinweise beobachten

Stellt euch in Zweier-Teams folgende Fragen und beobachtet dabei die Augen des Gegenübers:

  1. Welche Farben haben die Schilder am Zebra-Streifen?
  2. Wie sieht deine Bettdecke aus?
  3. Wie würdest du mit zwei Nasen aussehen?
  4. Wie würde ein Vogel aussehen, der rückwärts fliegt?
  5. Welches Lied hast du zuletzt im Radio gehört?
  6. Wie klingt es, wenn deine Wohnungstür ins schoss Fällt?
  7. Wie würde es klingen, wenn ein ganzes Fussballstadion deinen Namen singt?
  8. Wie fühlt sich Freude an?
  9. Wie fühlt es sich an, durch Sand zu laufen?

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