Produkt-Vision im Team erleben

Die Arbeit mit einer Timeline kann ein Team dabei unterstützen, vergangene Arbeitszyklen zu reflektieren, z.B. in einer Retrospektive.

Neben der Reflexion über einen vergangenen Zeitraum kann eine Timeline dazu genutzt werden, eine gemeinsame Zukunftsvision für ein Produkt zu entwickeln. Dazu wird der „Als-Ob-Rahmen“ verwendet. Das Team tut so, als ob sie bereits an dem Zielpunkt dieser Timeline stehen.

Simon Sinek beschreibt in seinem Buch „Frag immer erst Warum?“ die Elemente einer Vision: den Golden Circle  (Sinek, 2014). Dabei ist der Kern einer Vision das WARUM (Warum tun wir etwas?). Dies ist der innerste Kreis. Der nächste Kreis, das WAS (Was tun wir?), umschließt den ersten Kreis wie Ringe eines Baumes. Der äußerste Kreis ist das WIE (WIE setzen wir das WAS um?).

Die Elemente des Golden Circle können mithilfe einer Timeline vom Team erarbeitet werden:

  1. Das WARUM wird erlebbar: Der Zielzustand wird als attraktiv erlebt, die gemeinsame Vision aufgebaut und gestärkt und das Team kommt in einen intrinsisch motivierten Zustand. Das WARUM wird für das Team erlebbar. Das innerste und wichtigste Element des golden Circle von Simon Sinek.
  2. Das WAS wird sichtbar: Das Team kann aus der Zukunftsperspektive die Ressourcen identifizieren, die notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. („WAS brauchen wir, um das Ziel zu erreichen?“) Diese Reflexion findet dann nicht mehr auf einer rein kognitiven Ebene statt (über mögliche Probleme „nur“ nachdenken), sondern das ganzheitliche Erleben des Zielzustands fördert weitere, manchmal unerwartete und überraschende Aspekte zutage.
  3. Das WIE wird machbar: Nachdem das Team die Ressourcen identifiziert hat, kann es Situationen finden, in denen die Teammitglieder schon einmal diese Ressource erfolgreich abgerufen haben. So kann sich das Team in ein Verhalten hineindenken, dass auf das WARUM und das WAS einzahlt. Das WIE des golden Circle, also die nötigen Schritte des Teams werden als machbar erlebt.

Workshop-Format: Produkt-Vision entwickeln mit Timeline

In diesem Workshop kann ein Team eine gemeinsame Produktvision entwickeln und motivierend erleben. Es wird mit dem ganzen Produkt-Team durchgeführt. Dieser Workshop ist von Timeline-Arbeiten aus dem NLP inspiriert.

Hinweis zum Format: Das Team sollte offen für Erleben einer Aufstellung sein:

  • Spiral Dynamics: grün
  • und wenn nur zum Zwecke einer gesteigerten Effektivität: Spiral Dynamics reifes orange

Arbeitsvorbereitung: Eine Linie (z.B. mit einem Seil) im Raum auslegen oder entsprechende Timeline auf einem Whiteboard zeichnen (siehe Abbildung). Karten/Stickies, Stifte und wenn möglich ein Flipchart für das Ziel bereitstellen. Wenn live gearbeitet wird, sollte großflächig genug gearbeitet werden, da sich alle Teammitglieder auf der Timeline aufstellen.

Ablauf:

  1. Mit Stickies/Karten auf der Timeline Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft markieren (genug Platz dazwischen lassen).
  2. In einer einleitenden Diskussion (alle dürfen noch sitzenbleiben oder stehen am Rand) den Zielzustand benennen und terminieren („an Datum x“, nicht „in 3 Monaten“). Dieses Ziel + Tag mit einem treffenden Wort auf eine Karte (oder ein Flipchart – besser, da auf Augenhöhe) schreiben (keine Details) und auf der Linie platzieren, wo es als passend erachtet wird.
  3. Das Team stellt sich in den Bereich Gegenwart auf und schaut auf das Ziel (auf Augenhöhe, nicht auf den Boden schauen). Kurz wirken lassen.
  4. Das Team stellt sich nun auf das Ziel/zum Ziel mit Blick Richtung Zukunft. Jede/r darf einen Satz über den erreichten Zielzustand sagen (in Gegenwartsprache und Ich-Form z.B.: „Ich, heute am <Datum des Ziels> habe <Ziel> erreicht und denke darüber…“).
  5. Alle drehen sich um und schauen auf den Bereich Gegenwart. Gemeinsam sammeln, welche Ressourcen das Team von dort drüben hierher zum gemeinsamen Ziel geführt haben. Die gesammelten Ressourcen auf Karten schreiben und auf der Linie zwischen G und Ziel platzieren.
  6. Jedes Teammitglied sucht sich eine Ressource und berichtet dem Team, wann in der eigenen Vergangenheit diese Ressource schon einmal erfolgreich verwendet wurde. Alle Ressourcen sollten angesprochen werden, daher können Teammitglieder auch zu mehreren Ressourcen etwas sagen. Ausreichend Zeit nehmen.
  7. Zum Abschluss noch einmal gemeinsam als Team vom Bereich Gegenwart zum Bereich Ziel wandern.

Das Team geht gestärkt und motiviert als Einheit aus der Übung und hat eine gemeinsame Vision erlebt.

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