Das „V“ in MVP – Strategien für mehr Viabilität identifizieren

Ernst von Glasersfeld, einer der Begründer des radikalen Konstruktivismus, prägte den Begriff der „Viabilität“. Im Produktmanagement ist dieser Begriff in Verbindung mit einer Prototypen-Version eines Produktes bekannt: dem MVP (Minimum Viable Product). Mit „Viabilität“ ist eine „ausreichende Passung“ gemeint. Wenn Hypothesen durch Messungen bestätigt werden oder eine bestimmte Handlungsweise erfolgreich ist, bedeutet es, wir haben uns ausreichen gut angenähert und nicht, dass wir es geschafft haben, die Realität abzubilden.

Workshop-Format: Achtsamkeits-Reflexion zur Produkt-Viabilität

Das folgende Workshop-Format kann im Rahmen einer Retrospektive oder auch einfach zwischendurch durchgeführt werden.

  • Wer: Das ganze Team, auch erweitertes Team (z.B. mit Sales, Projektleitung oder Kundenberatung)
  • Wann: Nachdem bereits eine Weile zusammengearbeitet wurde und einige Features an User:innen und Kund:innen ausgeliefert wurden.
  • Wozu: Ziel ist es, das Team auf die Verhaltensweisen aufmerksam zu machen, die zu positiven Ergebnissen führen (nämlich zu Produkten, die Kund:innen begeistern).

If something works, do more of it and if something doesn’t work, do something else.

Das Team als Ganzes und jedes Teammitglied soll ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das eigene Verhalten einen Unterschied macht und zum Erfolg beiträgt – jeden Tag.

In dieser Übung reflektiert das Team gemeinsam über den Erfolg der gemeinsam entwickelten Produkte und Features. Folgende Fragen sollen beantwortet werden:

  • Wie gut wurden die Produkte angenommen?
  • Wie gut passten die Produkte zu den Bedürfnissen? (also wie hoch war die Passung/Viabilität?)
  • Welche Verhaltensweisen und Strategien haben die Viabilität positiv oder negativ beeinflusst?
  • Welche Verhaltensweisen und Strategien möchten wir also zukünftig im Team mehr sehen und welche weniger?
  • Welche Best Practices können wir für uns als Team ableiten?

Und so kann die Übung in 4 Schritten durchgeführt werden:

  1. Features notieren für Zeitraum x: Nehmt euch 10 Minuten Zeit, um in Einzelarbeit die gemeinsam entwickelten Features innerhalb eines definierten Zeitraumes (z.B. die letzten 3 Sprints) einzeln auf Stickies zu notieren – auch die, an die wir nicht gern denken! 
  2. Features auf Viability-Linie platzieren: Nach den 10 Minuten platziert jedes Teammitglied seine Stickies auf der Viability Linie („Wie gut wurden die Features angenommen von Kund:innen und/oder User:innen?“) und kommentiert kurz jedes Stickie. Features, die verwendet werden und mit denen User:innen happy sind, werden eher in Richtung der 100% platziert und Features, die ein Flop waren eher Richtung 0%. Features, bei denen ihr nicht wisst, wie sie angekommen sind, schiebt ihr in das entsprechende Feld „Wissen wir nicht“. Nun finalisiert gemeinsam im Team das Bild und entfernt Dubletten. Einigt euch gemeinsam darauf, welches Feature wo seinen Platz findet und warum. Nutzt die Gelegenheit, auch die unterschiedlichen Sichtweisen zu besprechen. 
  3. Gute Strategien, schlechte Strategien und Ideen identifizieren: Lasst jedes Teammitglied einmal notieren, wie das Team sich bei der Entwicklung von Feature x, y und z verhalten hat. Was haben wir speziell bei diesem Feature getan oder nicht getan? Dann schiebt die Stickies einzeln in das passende Feld (gut, schlecht oder Idee) und kommentiert kurz euer Stickie. 
  4. Best-Practices und To-dos auflisten: Notiert nun in der gemeinsamen Diskussion die Top 5 Verhaltensweisen von euch als Team, welche zu der größten Viabilität geführt haben. Ihr könnt diese auch durch Auspunkten identifizieren. Lasst sie beispielsweise in eure Definition of Done einfließen oder hängt die Liste irgendwo auf, wo ihr sie sehen könnt. Committed euch als Team auf dieses Verhalten – wenn ihr mögt – und nichts dagegenspricht (Wenn doch – was spricht dagegen? Zeigt sich hier ein To-do?). Notiert auch evtl. Aufgaben, die ihr euch geben möchtet, um die Viabilität zu verbessern, falls euch konkrete To-Dos einfallen (z.B. wenn ihr nicht wisst, wie Featuren angenommen wurden). Lasst diese Aufgaben einfach ins Backlog einfließen oder bestimmt, wer was bis wann übernimmt.

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Diese Übung findest du auch in unserem Online-Kurs zum Thema Produktmanagement.

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